Studieren im Camper – für viele ist das eine ungewöhnliche Vorstellung. Lernen, schreiben und sich organisieren, während sich der Wohnort regelmäßig ändert, stellt andere Anforderungen als ein klassischer Hörsaalalltag. Für Neele ist genau das inzwischen Normalität. Sie lebt und reist Vollzeit im selbst ausgebauten Camper, studiert Ergotherapie im Fernstudium und arbeitet nebenbei remote.
Im CAMP & WORK Podcast erzählt Neele offen von ihrem Weg: von ihrer ersten großen Reise durch Europa mit 18 Jahren, über Zweifel, Umwege und Abschlüsse – bis hin zu einem Leben, das heute bewusst zwischen Reisen, Studium und Arbeit stattfindet.
Mit 18 allein durch Europa – der Start ins Vanlife
Schon früh wusste Neele, dass sie nach dem Abitur reisen möchte. Nicht klassisch mit Flugticket und festen Unterkünften, sondern unabhängig und flexibel. 2018 machte sie ihren Traum wahr und reiste ein Jahr lang allein mit ihrer Hündin im Camper durch Europa.
Sie verbrachte den Winter in Südeuropa, den Sommer in Skandinavien und war fast täglich unterwegs. Ohne Arbeit, ohne Studium – dafür mit unendlich vielen Eindrücken. Diese Zeit beschreibt sie als die prägendste Phase ihres Lebens: persönliche Entwicklung, Selbstständigkeit und das Vertrauen, Herausforderungen allein bewältigen zu können.
Nach diesem Jahr war eines klar: Vanlife war keine einmalige Auszeit, sondern etwas, das bleiben sollte.
Zurückkommen, zweifeln, neu entscheiden
Trotzdem führte Neeles Weg zunächst zurück in ein „klassischeres“ Leben. Sie begann ein Lehramtsstudium – mit dem Ziel, Musiklehrerin zu werden. Doch schnell merkte sie, dass sie sich im bestehenden Schulsystem nicht wiederfindet. Nach zwei Semestern brach sie das Studium ab.
Es folgte eine Phase der Neuorientierung. Neele entschied sich für eine Ausbildung zur Ergotherapeutin – auch, um einen Abschluss zu haben und sich weitere Wege offenzuhalten. Während dieser Zeit lebte sie zeitweise wieder in einer Wohnung, kehrte aber immer wieder zum Leben im Camper zurück.
Rückblickend sagt sie: Die Entscheidung für die Ausbildung war richtig – nicht, weil sie einem klassischen Lebenslauf entsprechen wollte, sondern weil sie sich bewusst ausprobieren und ihre eigenen Antworten finden wollte.
Leben im Camper: Alltag zu zweit und mit Hund
Heute ist Neele gemeinsam mit ihrem Freund Jakob und ihrer Hündin Vollzeit unterwegs. Sie leben in einem selbst ausgebauten Sprinter mit Kofferaufbau – autark, frei und mit klaren Routinen.
Der Alltag ist ruhig strukturiert:
- entspannter Start in den Tag
- Haushalt und Ordnung als Grundlage für einen klaren Kopf
- produktive Phasen für Studium und Arbeit
- Spaziergänge und Zeit draußen durch den Hund
- Weiterfahren meist am Nachmittag, wenn überhaupt
Routinen sind für Neele besonders wichtig. Gerade beim Studieren im Camper helfen feste Abläufe, um trotz wechselnder Orte konzentriert zu bleiben. Unvorhersehbare Ereignisse – Technikprobleme, Stellplatzsuche oder Tierarztbesuche – gehören trotzdem dazu und bringen den Plan auch mal durcheinander.
Studieren im Camper: Vollzeit, remote und selbstorganisiert
Neele studiert Ergotherapie im Aufbaustudium – vollständig remote. Für sie war klar: Wenn sie noch einmal studiert, dann nur unter Bedingungen, die zu ihrem Leben passen. Keine Präsenzpflicht, keine festen Deadlines, keine Ortsbindung.
Diese Freiheit macht das Studieren im Camper überhaupt erst möglich. Gleichzeitig bringt sie neue Herausforderungen mit sich:
- kaum Austausch mit Kommiliton:innen
- wenig Kontakt zu Dozent:innen
- hohe Eigenverantwortung und Selbstmotivation
Um am Ball zu bleiben, setzt Neele auf selbst gesetzte Deadlines und klare Aufgabenlisten. Große Projekte wie Hausarbeiten teilt sie in kleine Schritte auf, um Fortschritte sichtbar zu machen. Trotzdem sagt sie offen: Diese Art zu studieren ist nicht für jede Person geeignet – und auch für sie nicht immer leicht.
Arbeiten unterwegs: Zwei Standbeine ohne Leistungsdruck
Neben dem Studium arbeitet Neele remote. Ihr erstes Standbein ist eine selbstständige Tätigkeit im Online- und Marketingbereich. Sie übernimmt vielseitige Bürotätigkeiten für Unternehmen – je nachdem, was gerade gebraucht wird. Die Arbeit ist für sie vor allem Mittel zum Zweck: Sie finanziert das Reisen und bringt Abwechslung zum Studium.
Ein zweites Standbein ist ihr eigener Social-Media-Account. Hier teilt sie seit Jahren Einblicke in ihr Leben unterwegs. Einnahmen entstehen gelegentlich durch Kooperationen und Affiliate-Links – allerdings ohne Druck, feste Postingpläne oder den Anspruch, Influencerin zu sein.
Priorität hat für Neele klar das Leben unterwegs. Arbeit und Studium ordnen sich diesem Lebensstil unter, nicht umgekehrt.
Herausforderungen unterwegs – und warum sie dazugehören
Vanlife bringt Freiheit, aber auch ganz praktische Herausforderungen:
- Stellplatzsuche mit Ruhe und gutem Internet
- Entsorgung und Wasserversorgung
- Wetterabhängigkeit
- Technikprobleme
- Organisation im Ausland, z. B. Werkstätten oder Tierärzte
Neele betont, dass vieles zu zweit leichter ist. Aufgaben können aufgeteilt, Probleme gemeinsam gelöst werden. Wichtig sind aus ihrer Sicht vor allem ein möglichst autarkes Fahrzeug, zuverlässiges Internet und ergonomisches Arbeiten – gerade beim Studieren und Arbeiten im Camper.
Neeles wichtigste Tipps für Studieren und Leben im Camper
Ihr zentraler Rat: ins Tun kommen. Der erste Schritt ist der schwierigste – danach wird vieles klarer. Niemand muss sofort Vollzeit im Camper leben oder studieren. Auch ein zeitlich begrenztes Ausprobieren kann helfen, herauszufinden, was wirklich passt.
Vernetzung mit anderen, ehrliche Einblicke und das Sammeln eigener Erfahrungen nehmen Ängste und Unsicherheiten. Vanlife ist kein Dauerurlaub, sondern ein intensiver Lebensstil mit Höhen und Tiefen. Wer ihn wirklich möchte, findet meist einen Weg – auch wenn er nicht immer bequem ist.
Links
Instagram Neele: https://www.instagram.com/this_is_vantastic/
TikTok Neele: https://www.tiktok.com/@this_is_vantastic
Neeles Podcast: https://creators.spotify.com/pod/profile/this-is-vantastic/
VANLIFE CAMPUS: https://camp-work.de/angebot/vanlife-campus/






