Vanlife steht für Freiheit, Selbstbestimmung und Flexibilität. Doch was bedeutet mobiles Leben, wenn der eigene Körper nicht immer mitspielt?
In dieser Folge des CAMP & WORK Podcasts spricht unser Gast Christian offen über sein Leben, Reisen und Arbeiten im Camper – mit einer fortschreitenden neuromuskulären Erkrankung.
Es ist ein ehrliches Gespräch über körperliche Einschränkungen, Energiehaushalt, Selbstverantwortung und darüber, warum Vanlife für manche Menschen nicht trotz, sondern wegen ihrer Situation ein passender Lebensweg sein kann.
Leben mit einer neuromuskulären Erkrankung – eine (teils) unsichtbare Realität
Christian lebt mit HMSN Typ 1, einer genetisch bedingten neurologisch-muskulären Erkrankung. Sie beeinflusst die Signalweiterleitung der Nerven zu den Muskeln und führt unter anderem zu:
- Muskelschwäche und schneller Erschöpfung
- Gleichgewichts- und Koordinationsproblemen
- eingeschränkter Belastbarkeit
- stark schwankender Tagesform
Viele dieser Einschränkungen sind von außen nicht sichtbar. Genau das macht den Alltag – beruflich wie privat – oft zusätzlich herausfordernd. Energie ist nicht planbar, Leistungsfähigkeit kein verlässlicher Zustand.
Warum Vanlife für Christian eher entlastet als belastet
Was für viele überraschend ist:
Das Leben im Camper verschlechtert Christians Situation nicht – im Gegenteil.
Vor allem stabile Wetterverhältnisse wirken sich positiv auf seinen Gesundheitszustand aus. Deshalb reist er bevorzugt im Winter in südlichere Regionen. Weniger Kälte, weniger Wetterumschwünge, weniger Belastung für den Körper.
Vanlife ermöglicht ihm:
- seinen Tagesrhythmus an die eigene Energie anzupassen
- Pausen zu machen, ohne sich erklären zu müssen
- Entscheidungen kurzfristig zu treffen – oder bewusst nicht
Gleichzeitig erfordert dieses Leben viel Selbstreflexion und Planung. Denn unterwegs zu sein bedeutet auch Verantwortung für sich selbst zu übernehmen – jeden Tag neu.
Allein unterwegs – oft die bessere Lösung
Ein sehr ehrlicher Punkt aus dem Gespräch:
Christian reist häufig allein entspannter als in Begleitung.
Nicht aus Abgrenzung, sondern weil es ihm dann leichter fällt, auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten. Beim gemeinsamen Reisen entsteht schnell ein unausgesprochener Druck: weiterfahren, mithalten, noch etwas sehen.
Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen kann genau das schnell zu Überlastung führen – auch wenn es gut gemeint ist.
Barrierearmer Camperausbau: Wenn der Camper den Alltag erleichtert
Christians Camper ist konsequent auf seine Situation abgestimmt. Nicht luxuriös, sondern funktional – und genau deshalb so wertvoll.
Wichtige Anpassungen sind unter anderem:
- Automatikgetriebe und umfangreiche Assistenzsysteme
- Allradantrieb, um Stellplätze zu erreichen, die zu Fuß nicht erreichbar wären
- ergonomisch geplante Küche
- Zugriff auf Wasser, Kühlschrank und Stauraum direkt vom Bett aus
- Platz für Fahrrad und Rollstuhl
Der Van ist so gebaut, dass er auch an Tagen funktioniert, an denen wenig Energie da ist – und nicht nur dann, wenn alles gut läuft.
Arbeiten im Camper mit Erkrankung: Warum Flexibilität entscheidend ist
Christian ist angestellt – merkt aber zunehmend, dass klassische Arbeitsmodelle kaum mit seiner Realität vereinbar sind. Starre Arbeitszeiten, feste Präsenz und fehlende Flexibilität stehen im Widerspruch zu einem Alltag mit schwankender Leistungsfähigkeit.
Sein Wunsch ist klar:
arbeiten, wenn es geht – pausieren, wenn es nötig ist.
Deshalb denkt er über neue Wege nach:
- ortsunabhängige Tätigkeiten
- selbstständige Arbeit
- langfristig Beratung und Planung für barrierearme Camper-Selbstausbauten
Nicht als schneller Umbruch, sondern als strukturierter Prozess.
Impulse aus dem Gespräch mit Christian
Diese Folge will nichts erklären und niemanden überzeugen.
Sie zeigt vielmehr, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können – und wie individuell Lösungen aussehen müssen.
Sie macht deutlich, dass Energie kein verlässlicher Zustand ist, dass Flexibilität kein Luxus, sondern oft Voraussetzung ist und dass mobiles Leben nicht automatisch Freiheit bedeutet, sondern bewusste Entscheidungen erfordert.
Vielleicht regt das Gespräch dazu an, genauer hinzuschauen – auf die eigenen Bedürfnisse, auf die der Menschen um uns herum und auf die Frage, welche Rahmenbedingungen wir brauchen, um gut leben und arbeiten zu können.
Fazit: Vanlife mit körperlichen Einschränkungen braucht passende Rahmenbedingungen
Diese Folge zeigt, dass Vanlife mit körperlichen Einschränkungen vor allem eines braucht: Bedingungen, die zum eigenen Alltag passen.
Nicht jede Lösung funktioniert für jede Situation – und nicht jeder Tag fühlt sich gleich an. Entscheidend ist, dass das Leben unterwegs so gestaltet ist, dass es auch dann trägt, wenn Energie fehlt oder Pläne sich ändern müssen.
Christians Erfahrungen machen deutlich, wie wichtig es ist, Fahrzeug, Ausbau und Arbeitsweise nicht an Idealbildern auszurichten, sondern an den eigenen Möglichkeiten. Vanlife wird so weniger zum Abenteuer, das bewältigt werden muss, und mehr zu einem Lebensmodell, das unterstützt.
Nicht perfekt, nicht immer leicht – aber durchdacht, selbstbestimmt und nah an der eigenen Realität.
Links
Instagram Christian: https://www.instagram.com/allerweltsreisen/
VANLIFE CAMPUS: https://camp-work.de/angebot/vanlife-campus/







